Die türkische Wirtschaft wuchs in den ersten
sechs Monaten des Jahres 2004 mit einer sehr hohen Wachstumsrate
von 13,5 % und überholte damit sogar deutlich den bisherigen
Spitzenreiter China. 2005 wuchs die türkische Wirtschaft vergleichsweise
moderat. Im ersten Quartal konnte das BSP um 5,3 % zulegen. Für
2005 erwarten die Analysten von HSBC Securities Türkei weiterhin
eine Wachstumsrate von 5,2 % (BIP).
Die wirtschaftliche Situation der Türkei ist immer noch sehr
widersprüchlich. Es besteht eine sehr große Kluft zwischen
dem industrialisierten Westen und ihrer modernen Industrie (insbesondere
den großen Metropolen) einerseits und dem agrarisch strukturierten
und wenig entwickelten Osten andererseits.
Der Großraum Istanbul erreicht beispielsweise 41 % des
durchschnittlichen Einkommens der 15 „alten“ EU-Staaten,
der Osten hingegen nur 7 %. Diverse Projekte, u. a. die großen
Staudamm-Projekte (Südostanatolien-Projekt (GAP)) sollen
dem Osten helfen, sich besser zu entwickeln. Zudem gibt es innerhalb
der türkischen Volkswirtschaft erhebliche strukturelle Probleme.
So trägt die Landwirtschaft zum BSP lediglich 11,9 % bei,
beschäftigt aber 30,6 % der Arbeitskräfte. Die Industrie
trägt 29,6 % zum BSP bei und der Dienstleistungssektor 58,5
%. In der Industrie arbeiten 19,3 % aller Erwerbstätigen
und in der Dienstleistung 44,5 %. Seit 1996 besteht zwischen der
Türkei und der EU eine Zollunion (51,6 % der Exporte gehen
in die EU, 46 % der Importe stammen aus der EU).
Die Türkei scheint ihre chronische Inflation mittlerweile
in den Griff bekommen zu haben. Die Inflation erreichte zeitweise
dreistellige, beinahe hyperinflationäre Zahlen (1994/1995
betrug sie in einigen Quartalen 150 %), 2003 sank sie auf 18,4
%, nach Schätzungen betrug sie 2004 ca. 9,4 %. Am 1. Januar
2005 wurde die alte „Türkische Lira“ durch die
„Neue Türkische Lira“ (Yeni Türk Lirasi)
ersetzt. Damit verliert die Türkische Lira 6 Nullen. Außerdem
wird die Untereinheit der Lira, der Kurus, wieder eingeführt.
Eine weitere wirtschaftliche Herausforderung für die Türkei
stellt die hohe Staatsverschuldung dar. Bezogen auf das BSP beträgt
sie 78,7 % (Stand 2003).
Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind die Textilindustrie,
Tourismus, Automobilindustrie und die Elektronikbranche. Die Investitionen
von ausländischen Investoren in der Türkei liegen bei
ca. 4,6 Mrd. Euro (2002), davon alleine 3,3 Milliarden aus Deutschland.
Es gibt ein nennenswertes Engagement ausländischer Unternehmen.
2002 gab es 5.129 ausländische Kapitalgesellschaften, die
in der Türkei aktiv waren, die meisten davon aus EU-Staaten.
2005 erzielte der Staat durch Privatisierungen von Staatsunternehmen
20 Mrd. $. Die folgenden Tabellen zeigen den sich lebhaft entwickelnden
Außenhandel der Türkei der letzten Jahre und die Haupthandelspartner.